| Alle Filme waren einmal Bücher |
Die zentrale Arbeitsgrundlage, die am Anfang einer Filmproduktion steht und alle nach ihm folgenden Arbeitsschritte beeinflusst, ist das Drehbuch. Die Bedeutung des Drehbuchs - und somit das geschriebene Wort - kann gar nicht überschätzt werden. Um mit Alfred Hitchcock zu sprechen: „Ein guter Film braucht drei Dinge: erstens ein gutes Drehbuch, zweitens ein gutes Drehbuch und drittens ein gutes Drehbuch.“
Seit den Anfängen des Kinos stellt die Literatur einen unerschöpflichen Drehbuchfundus für das Kino dar. Filmproduzenten greifen zu Büchern und Regisseure lassen sich von literarischen Vorlagen inspirieren. Etliche der herausragenden filmischen Kunstwerke sind Adaptionen literarischer Stoffe: „Vom Winde verweht“, „Der Pate“, „Harry Potter“, Tolkiens Trilogie von „Der Herr der Ringe“ – die Liste der Filme, die auf Buchvorlagen basieren, ist lang. So berühren sich das Verlagswesen und die Filmwirtschaft - eigentlich zwei völlig verschiedene Branchen – immer wieder und profitieren voneinander.
So profitieren auch die Verlage schon seit langem von der Popularität des Filmes. Bereits in den Zwanzigerjahren warben Verlage mit „verfilmten Romanen“. So erschien im Jahr 1927 nach Fritz Langs erfolgreicher Verfilmung des Zukunftsromans „Metropolis“ zusätzlich zur gebundenen Ausgabe eine weitere, broschierte Ausgabe mit gekürztem Text und Filmfotos. Mit dem Buch zum Film entwickelte sich ein eigenes Genre. Es gibt Verlage, die ausschließlich Filmbücher herausbringen, wie zum Beispiel Monografien über Regisseure, Schauspieler-Porträts, filmhistorische Studien oder Sammelbände – das Spektrum ist weit. Das Buch zum Film ist heute ein wichtiges Element des Merchandisings und fördert die Verbreitung von Büchern.
Film ist ein wirkungsmächtiges Medium und kann als populäre Kunstform innerhalb kurzer Zeit ein Massenpublikum erreichen. Nicht selten wird aus einem kaum bekannten Titel nach dessen Verfilmung ein Bestseller. Crossmediale Verwertungsstrategien eines Stoffes – angefangen vom Buch über Hörbuch, Computer-Spiel, Theaterstück, TV- und Kinofilm bis hin zum Buch zum Film – tragen zu einer immer engeren Verbindung zwischen Film und Literatur bei. Ein Beispiel ist der jüngste Film Steven Spielbergs „Krieg der Welten“. Der Film ist eine Adaption eines der bedeutendsten Werke des britischen Science-Fiction-Autors H.G. Wells, dessen Buch „The War of the Worlds“ bereits im Jahr 1898 veröffentlicht wurde; die deutsche Übersetzung erschien 1901.
Eines der ersten Hörspielereignisse lieferte die Urausstrahlung der englischen Originalversion im amerikanischen Radio im Jahr 1938, denn die Hörer hielten die Geschichte für eine wahre Reportage. Bereits 1953 erschien dann die erste Verfilmung des Stoffes und 1988 folgte eine gleichnamige Fernsehserie. In den USA brachte das Spielberg-Spektakel in den ersten sechs Kinotagen 112,7 Millionen Dollar ein und erreichte so das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten. Auch in Deutschland vermeldet der Film beste Einspielungen, so überstieg das Epos nach nur sechs Tagen die Marke von einer Million Kinobesucher. Pünktlich zum deutschen Filmstart wurde auch die englische Original-Hörspiel-Fassung veröffentlicht. Nach Start des Filmes waren auch kurzfristig die Regale der Buchläden leer und die dritte Buchauflage folgte.
Doch bevor ein Stoff verfilmt werden kann, müssen die Rechte geklärt sein. Der Rechte- und Lizenzhandel ist dabei ein wichtiger Baustein. Auch die Verlage haben erkannt, dass es weit mehr als eine Vertriebsmöglichkeit für einen Stoff gibt, und haben eigene Rechte- und Lizenzabteilungen aufgebaut oder diesen Bereich bereits ausgelagert und Agenten übertragen. Dieses Outsourcing ist von Vorteil, da keine zusätzlichen Personalkosten entstehen und auch das Investitionsrisiko gering gehalten wird.
Die Verwertungsrechte sind stark umkämpft und auch die Verlage müssen sich in diesem Markt behaupten. Die Kenntnis des Buch- und Filmmarktes ist dabei von größter Bedeutung. So ist es wichtig zu wissen, was auf dem Buchmarkt gut funktioniert und was auf dem Filmmarkt – und warum. Allerdings gibt es auch hier keine Garantien. Nicht jede Buchverfilmung wird im Kino ein Kassenschlager, Bestseller jedoch haben gute Chancen.
Eine der größten Stofffundgruben ist die Frankfurter Buchmesse, die mit 6 700 Ausstellern aus 110 Ländern das größte Medienereignis der Welt darstellt. Sie ist ein hervorragender Treffpunkt für die Verlags- und Filmbranche und damit verbunden ein idealer Platz für den Rechte- und Lizenzhandel. Um dem gerecht zu werden, hat die Buchmesse im vergangenen Jahr im Forum Film & TV ein Internationales Agenten-Zentrum für Adaptionen & Drehbuch (Literary Agents & Scouts Centre) eingerichtet. Bereits im Juni war das Agentenzentrum für die diesjährige Messe mit 233 Agenturen mit 414 Agenten aus rund 30 Ländern vollständig ausgebucht. Das lässt für die Teilnehmer einen geschäftigen Herbst erahnen. Mit der Erweiterung der Buchmesse um das Forum Film & TV hat die Buchmesse im Jahr 2003 einen wichtigen Schritt getan. Frankfurt hat somit die Chance, sich zu dem Treffpunkt für internationale Filmschaffende, Rechte- und Lizenzhändler zu entwickeln.
Um dies noch weiter voranzutreiben, organisierte die Wirtschaftsförderung Frankfurt gemeinsam mit der Frankfurter Buchmesse z.B. das „International Producers Meeting 2005“, bei dem internationale Filmproduzenten nach Frankfurt eingeladen wurden. Diese hatten die Möglichkeit, neue Stoffe aufzustöbern, neue Kontakte zur Verlags- und Filmwelt aufzubauen, miteinander ins Geschäft zu kommen und natürlich die Film- und Medienbranche am Standort Frankfurt kennen zu lernen.
Ebenfalls gemeinsam von Wirtschaftsförderung und Frankfurter Buchmesse wurde das „Get Together der Film- und Verlagsbranche“ während der Buchmesse organisiert. Bei einem Expertengespräch im Buchmesse-Kino im Forum Film & TV wurden die Symbiose von Film und Buch dargestellt, die wechselseitigen Impulse diskutiert und die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten aufgezeigt. Das Get Together fand zum dritten Mal statt und hat sich zu einer Plattform für Wissenstransfer, Meinungs- und Erfahrungsaustausch im Film- und Buchmarkt entwickelt. Während des anschließenden Empfangs der Wirtschaftsförderung Frankfurt bestand die Möglichkeit, weiter am Netzwerk der Film- und Verlagswirtschaft zu knüpfen sowie Trends und Entwicklungen zu erörtern.

Quelle: Manuela Schiffner
Leiterin Medien, IT & Telekommunikation Wirtschaftsförderung Frankfurt am Main
und Leiterin Frankfurter Forum für Kommunikation ► ms@frankfurt-business.de
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